Aichhorn-Benefizgala unter Protest

Klärende Worte des Bühnendirektors.
Sarg-Demo vor dem Ronacher.
Wer bezahlt Luxus-Dienstwagen?
Wien. Die Leitung des August Aichhorn Hauses hatte sich ihre Benefizgala zum 15-jährigen Bestehen wohl anders vorgestellt: Weil gegen den Verein, der in Wien und Umgebung drei Kinder-Wohngemeinschaften betreibt, unter anderem wegen Kindesmissbrauchs ermittelt wird, hatten sich zum Kabarett-Abend im Wiener Ronacher auch Demonstranten vor dem ausverkauften Lokal positioniert. "Opferoffensive" und "Väter ohne Rechte" protestierten gegen mangelnde Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in nichtkirchlichen Institutionen und gegen eine verfehlte Familienpolitik, die immer mehr Heimkinder produziere.
Zwar gab es lebhafte Diskussionen mit manchen festlich herausgeputzten Besuchern, die Demo verlief aber weitgehend friedlich.
Transparenz gefordert
Danach erklärte Vereinigte Bühnen Wien-Direktor Thomas Drazda den mehr als 1000 neugierig wartenden Besuchern, dass das eingenommene Spendengeld bis zur Klärung der Vorwürfe auf ein Treuhandkonto gelegt und nur dann an den Verein ausbezahlt werde, wenn sich die Vorwürfe als ungerechtfertigt erweisen.
Wie eine Sprecherin gegenüber der "Wiener Zeitung" ergänzte, erwartet man sich vom Verein auch "den Erwerb des Spendengütesiegels und mehr Transparenz nach außen". Dies sei auch im Sinne von Roland Düringer, Andreas Vitasek und Robert Palfrader, die die Einnahmen des Abends im Wert von gut 30.000 Euro bedürftigen Kindern spenden wollen.
Bisher ist von Transparenz allerdings wenig zu bemerken: Außer einer Büroadresse in Wiener Neudorf erhält man im Internet zum "Verein für sozialpädagogisch-therapeutische Betreuung" seit Monaten die Auskunft "Website in Arbeit". Wie die "Wiener Zeitung" recherchierte, betreut der Verein in Wien neben sieben Wiener Kindern auch sieben Kinder aus Graz, für die er ebenfalls 193 Euro pro Tag und Kind kassiert. Zöglinge sollen auch aus Kärnten kommen.
Neben luxuriös anmutenden Villen-Standorten der zwei Wohngemeinschaften in Wien-Hietzing gibt es aus Ermittlerkreisen nun auch Hinweise auf einen Luxus-Fuhrpark von Heimleiter Rudolf S.: Er soll neben einem umgebauten Mercedes SL-Sportwagen einen fast neuen BMW X6 (Neupreis: 67.000 bis 92.000 Euro) fahren. Letzterer – ein reiner Viersitzer – soll gar als Dienstwagen angeschafft worden sein.
www.wienerzeitung.at | Werner Grotte | Foto: Peter Schneider
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