Fall: Yasemin: Das Gericht spielt auf Zeit
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Am Dienstag fand am Familiengericht von Fatih in Istanbul der mittlerweile 15. Verhandlungstag im Sorgerechtsprozess um die neunjährige Yasemin aus Lienz statt.
Da für den Abschluss der Beweisaufnahme nur noch die Aussagen dreier Zeugen aus Österreich ausständig waren und die beiden letzten bereits im September in Innsbruck einvernommen wurden, ging man nach drei Prozessjahren endlich von einem Urteil im viel zitierten "Fall Yasemin" aus.
Gericht verzögert
Aber die Verhandlung wurde ein weiteres Mal auf den 25. März vertagt, der Grund könnte pikanter nicht sein.
Obwohl die Zeugenaussagen in Istanbul angekommen sind, hielt es das türkische Gericht nicht für notwendig, sie ins Türkische zu übersetzen, sondern überlässt diese Aufgabe den Anwälten von Yasemins Mutter Franzsika Kobal (53).
In Zivilprozessen sei es durchaus üblich, die Kosten solcher Aufträge von den Parteien übernehmen zu lassen - darüber hinaus habe sich die Mutterseite für die Kostenübernahme ohnehin freiwillig bereit erklärt.
"Das Gericht hat auch nur ein begrenztes Budget", erklärt Fikret Özgül, der Anwalt von Yasemins Vater Bayram Kobal (52), und fügt nicht ohne Zynismus hinzu. "Warum sollte es die Übersetzung von mehrseitigen Dokumenten selber bezahlen, wenn das auch die sich zankenden Parteien tun können."
Doch damit nicht genug: "Wir werden uns die Übersetzung beim nächsten Verhandlungstag ansehen und sie gegebenenfalls anfechten", kündigt Özgül eine mögliche abermalige Vertagung des Prozesses im März an.
"Erst wenn wir die Aussagen als zu 100 Prozent korrekt wiedergegeben erachten und sie nicht anfechten wollen, werden wir sie auch anerkennen."
Endlosschleife
Demnach könnte dieser Ball noch mehrmals hin und her geworfen werden, ehe es zur finalen Entscheidung des Gerichts kommt? "Genau so sieht es aus", sagt Özgül und ist sich sicher: "Je länger der Prozess dauert, desto wahrscheinlicher ist ein Urteil zugunsten von Yasemins Vater. Daher sehe ich der Entwicklung des Verfahrens weiterhin gelassen entgegen."
Ähnlich gelassen zeigte sich auch Josef Saiger, österreichischer Generalkonsul in Istanbul, der als Prozessbeobachter anwesend war.
"Wichtig ist, dass am Ende ein Urteil gefällt wird, das zum Wohl des Kindes ausfällt. Bei einem so sensiblen Verfahren ist es verständlich, dass die Verantwortlichen sämtliche Informationen auswerten wollen, bevor es zu einer Entscheidung kommt. Auch wenn das wie in diesem Fall etwas länger dauert."
Eine von den in Österreich einvernommenen Zeugen ist die Innsbrucker Gerichtspsychologin Ernestine Trefalt, deren Gutachten vor dreieinhalb Jahren den Ausschlag dafür gegeben hat, dass Yasemin im November 2004 zu ihrem Vater Bayram Kobal nach Istanbul gebracht wurde, nachdem sie zuvor zwei Jahre bei ihrer Mutter Franzsika Kobal in Lienz gelebt hatte.
Trefalt wurde bereits im Mai in einem eilig anberaumten Verhandlungstag in Innsbruck einvernommen. In der einstündigen Befragung rechtfertigte sie erneut ihr Gutachten und sagte aus, dass sie mehr denn je der Meinung sei, dass Yasemins Leben in Istanbul mit keinerlei Einschränkungen verbunden sei und sie sie vor drei Jahren in die Hände einer fürsorglichen Familie übergeben habe.
Sie schilderte ebenfalls Szenen aus der umstrittenen Rückführung Yasemins in die Türkei.
Damals ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung, da Yasemin unter anderem von Trefalt auf dem Weg zur Schule abgefangen und nach Istanbul geflogen wurde. Yasemin hatte keine Gelegenheit mehr, sich von ihrer Mutter und ihren Freunden zu verabschieden.
Augenzeugen wollten sogar gesehen haben, dass Yasemins ins Auto gezerrt wurde und dabei weinte. Diese Aussagen gelten mittlerweile als widerlegt, Yasemin stieg aus freien Stücken ins Auto ein und kam in Istanbul an, ohne eine Träne zu vergießen.
Darauf weisen auch Fotos von der damaligen Rückführung hin, die der NEUEN exklusiv vorliegen und auf denen Yasemins Rückführung dokumentiert wird.
Übrigens: Yasemin hat vor wenigen Tagen ihr Halbjahreszeugnis (Noten: ausschließlich "Sehr gut") bekommen und macht gerade Ferien im Strandhaus der Familie in Gönen bei Istanbul.
Quelle: Tageszeitung Neue für Tirol / Köksal Baltaci
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