Gespeichert von reichmann am Mi, 21.05.2008 - 13:16:14

Skandalgutachter Max FriedrichBereits der 5. Einzelfall, sexuellen Missbrauchs von Kindern, der dem Landesgericht Klagenfurt Kopfzerbrechen bereitet. Wieder wurde ein Mann am Landesgericht Klagenfurt zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er seine 3-jährige Enkelin schwer missbraucht haben soll.

Eine Stellungnahme des Experten Max Steller aus Deutschland spricht davon, dass dieses Gutachten nicht für eine Verurteilung herangezogen werden darf, was jedoch vom Landesgericht Klagenfurt auch im neuerlichen Verfahren negiert wurde.

Immer häufiger werden Wiederaufnahmen von Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs am Landesgericht Klagenfurt zum Thema. Stets findet man in diesen Verfahren den umtriebigen „Stargutachter“ Prof. Max Friedrich als Sachverständigen, der wie immer dem – zumeist minderjährigen – Zeugen, eine kindgemäße Glaubwürdigkeit, eine lebensaltertypische Reife und keine Anzeichen von Beeinflussung durch die Familie und andere attestiert.



Prof. Max Friedrich

An dieser Stelle sollte man einmal beleuchten, wer dieser „Stargutachter“ Prof. Max Friedrich eigentlich ist. Mit Sicherheit ist er einer breiten Öffentlichkeit durch seine zahlreichen Medienauftritte, zuletzt auch als Berater der Natascha Kampusch, in den Gedanken.

Sein letzter Auftritt bei Gericht, nämlich als Zeuge im erfahren Sirny (Mutter von Natascha Kampusch) gegen den pensionierten Richter Wabl in Graz – wie haben ausführlich berichtet – zeigt wieder einmal mehr, wie derartige Gutachten zustande kommen. In diesem Fall hatte der umtriebige Professor ein Gutachten zu erstellen, ob es bei Natascha Kampusch schon vor ihrer Entführung zu sexuellem Missbrauch gekommen war. Als Basis für ein Gutachten dieser Tragweite genügte dem honorigen Professor - laut eigenen Angaben - die Aussagen der unter Verdacht sehenden Eltern und ein Bericht aus dem ORF.

Professor Friedrich sah keinen Verdacht, dass Natascha Kampusch missbraucht worden war, obwohl bekannt war, dass das Mädchen in der Zeit vor der Entführung plötzlich stark an Gewicht zugenommen hatte und als 10-jährige wieder einnässte. Das sind, laut internationaler Expertenmeinung, eigentlich starke Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch. Friedrich schloss einen Missbrauch aus und die Untersuchungen gegen die Eltern wurden deshalb eingestellt.

In einem anderen Bericht haben wir einen kleinen Überblick über andere Gutachten des Prof. Max Friedrich zusammengestellt, die allesamt das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben worden sind. Immer wurden ganze Familien in den Ruin getrieben, bis sich nach Jahren endlich herausgestellt hat, dass die Gutachten fachlich vollkommen fehl gegangen sind und die Verfahren neuerlich verhandelt werden mussten.

Gegen Prof. Max Friedrich laufen – wie uns bekannt wurde – zahlreiche Strafanzeigen und Enthebungsverfahren. Diese Verfahren sollen jedoch – laut Angaben unserer Informanten – von den zuständigen Stellen verschleppt werden.



Prof. Dr. Max Steller

Prof Steller ist Kriminalpsychologe und beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit weiteren Kollegen, wie Prof. Dr. Burkhard Schade, Prof. Dr. Undeutsch, Dr. Luise Greuel und vielen anderen, mit der Thematik Aussageverhalten bei Zeugenaussagen. Die so genannte  Aussagepsychologie ist in Deutschland schon seit über 100 Jahren ein wissenschaftliches Thema. Hierbei werden verschiedene Kennzeichen einer Aussage durch wissenschaftlich fundierte Arbeit hinterfragt. Die Sicherheit dieser Methode ist sehr hoch. Man kann davon ausgehen, dass bis zu einer Genauigkeit von 96% festgestellt werden kann, ob die Schilderungen in einer Aussage wirklich erlebt, oder nur erdacht worden sind.

Diese Spezialisten werden jedoch am Landesgericht Klagenfurt schlichtweg negiert und stattdessen Gutachten von  Prof Max Friedrich bevorzugt, obwohl schon allgemein bekannt ist, dass sich Prof. Max Friedrich bei seinen Gutachten sehr oft nicht an wissenschaftliche Standards hält und zudem noch durch Suggestivfragen die befragten Opfer wesentlich im Aussageverhalten beeinflusst und dadurch jede weitere Aussage unbrauchbar macht.



Aussagepsychologie.

Eine international anerkannte Wissenschaft, die sich seit über 100 Jahren mit der Erforschung von Zeugenaussagen beschäftigt. Diese Wissenschaft ist sehr weit fortgeschritten und ist im Ergebnis sehr präzise.

Als wichtiges Kriterium gelten etwa die Realitätsbezogenheit einer Aussage, die Motivation, die Einbettung der tatsächlichen Tat in eine plausible Hintergrundgeschichte.

Ein sehr wichtiges Kriterium zur Unterscheidung zwischen einer erdachten und einer real erlebten Geschichte ist auch, wie diese Information im menschlichen Gehirn abgespeichert wird. Wird eine Geschichte erlebt, dann werden die Eindrücke der Sinnesorgane an verschiedenen Stellen im Gehirn abgespeichert und zweiwertig verbunden. Eine erdachte Geschichte wird im so genannten Episodengedächtnis abgespeichert und ist nur einwertig verbunden. Eine erlebte Geschichte wird bei jeder Reproduktion (Erzählung) aus den verschiedenen Teilen des Gehirns abgerufen und verbunden. Weil die real erlebte Geschichte zweiwertig verbunden ist kann man real Erlebtes vom Anfang bis zum Ende, jedoch auch umgekehrt und aus jedem Einstiegspunkt in der Mitte gleich schnell wiedergeben.

Eine erdachte Geschichte ist jedoch im Episodengedächtnis gespeichert und ist nur einwertig verbunden. Deshalb kann man eine erdachte Geschichte – ohne große Gehirnleistung - nur vom Anfang bis zum Ende erzählen. Die Wiedergabe einer erdachten Geschichte vom Ende zum Anfang, oder von einem beliebigen Einstiegspunkt in der Mitte – kann nur durch große Gedächtnisleistung erfolgen, weil der Erzähler die Geschichte immer vom Anfang bis zur gewünschten Einstiegsposition durchdenken muss.

Bei Menschen, die eine beeinträchtigte, oder noch nicht voll ausgeprägte Gehirnleistung haben, wirkt sich diese Tatsache eklatant aus und ist einem Fachmann natürlich sofort auffällig.



Keine Aussagepsychologen am Landesgericht Klagenfurt.

In einigen Landesgerichten, wie etwa Eisenstadt, Salzburg und anderen, ist die Aussagepsychologie eine Selbstverständlichkeit. Warum man sich gerade am Landesgericht Klagenfurt dermaßen gegen Gutachter aus dem Gebiet der Aussagepsychologie wehrt ist unergründlich. Auch unser Professor Max Friedrich wird fast ausschließlich nur mehr am Landesgericht Klagenfurt und in Wien als Sachverständiger bestellt.

Am Landesgericht Klagenfurt sind Richter immer noch der Meinung, dass die Arbeit der Aussagepsychologen eigentlich die Tätigkeit der Richter einschränken würde, was natürlich nicht stimmt. In Deutschland ist, nachdem es zu zahlreichen Skandalen gekommen ist,  seit 1999 verbindlich ein aussagepsychologisches Gutachten zu erstellen, gerade wenn es um sexuellen Missbrauch von Kindern geht.

Anatomisch korrekte Puppen – in Deutschland bereits ebenfalls streng verboten – werden am Landesgericht Klagenfurt nach wie vor eingesetzt, obwohl man weiß, dass die Verwendung solcher Puppen ein Kind im Aussageverhalten wesentlich beeinflussen kann.

Wiederaufnahmen von Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs könnten daher gerade am Landesgericht Klagenfurt auch in Zukunft ein ständiges Thema bleiben.