Gespeichert von LittleBuddha am Mo, 24.09.2007 - 14:22:21

Eigentlich sollten mit den Qualitätsstandards von Quality4Children die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Obhut der Fürsorge europaweit verbessert werden. Zum Erstaunen vieler Betroffener finden sich in den Standards aber keinerlei Anhaltspunkte für einen Kinder- und Jugendbeirat, wie er bereits in mehreren sozialpädagogischen Einrichtungen der Jugendwohlfahrt (ausgenommen SOS Kinderdorf Österreich!) etabliert ist.

Nach dem sexuellen Missbrauch in einem Vorarlberger Kinderdorf, der anhaltenden Skandalwirtschaft in der österreichischen Jugendwohlfahrt und nicht zuletzt aus Perspektivlosigkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen, fordern Experten Verantwortung und Mitsprache in österreichischen Trägern der Jugendwohlfahrt wie sozialpädagogische Wohngruppen, Kinderheimen und Kinderdörfern.

In Österreich scheint man von diesem Modell noch weit entfernt zu sein, denn nur wenige Kinder- und Jugendhilfe Einrichtungen unterstützen das Modell von Wegensheit oder führen überhaupt ein Hilfeplansystem. Eine Familienpädagogin und ehemalige SOS Kinderdorfmutter sagt warum: "Man muss alleine bis zu 6 Kinder betreuen und gleichzeitig administrative Arbeiten erledigen. Da hat man weder Zeit noch Lust auf Diskussionen und Mitsprache. Nicht zuletzt fordert der Arbeitgeber und Vorgesetzte (in Personalunion der Dorfleiter!) die akribische Umsetzung von Tages- und Wochenplan".

Kinder und Jugendliche die nicht zu Hause aufwachsen können, kommen auf Bestreben des Jugendamt in ein Heim, eine Wohngruppe oder in ein Kinderdorf. Dort soll der Staat bis zur Volljährigkeit für sie sorgen und im Idealfall könnte sogar eine Rückführung in das Herkunftssystem stattfinden.

Praktisch finden sich die Heranwachsenden aber auf dürftig wackeligen Beinen, wie heute beispielsweise zum Thema "Komasaufen bei SOS Kinderdorf" in der ORF Community zu lesen war. Demzufolge laden 80 % der fremduntergebrachten Mädchen auf dem Straßenstrich. Der User führt dabei ein Beispiel aus Oberösterreich an.

Die Diskussionen laufen jedenfalls heiß und an die Verantwortlichen der Politik stellt sich erneut die Frage nach Lösungsmöglichkeiten. Während die zuständige Familienministerin Andrea Kadolsky auf ein neues Jugendwohlfahrtsgesetz mit mehr jugendwohlfahrtsrechtigen Freiraum pocht, laufen Vertreter von Herkunftsfamilien und leiblichen Eltern, wie z.B. INHR, gegen derartige Vorhaben Sturm.

"Wir erkennen keine Verbesserung und auf Therapieplätze gibt es monatelange Wartezeiten. Den Kindern und Jugendlichen geht es also keinesfalls besser, wenn man sie aus ihren gewohnten Sozialkontakten und der Herkunftsfamilie reißt. Mitsprache von leiblichen Eltern und Kindern oder gar ein fundiertes Hilfeplansystem, wie es in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es bei uns fast nicht!", sagt Roland Reichmann von www.inhr.net.

Für Quality4Children jedenfalls ist die Zeit abgelaufen und selbst ausgereifte Standards finden beispielsweise im teilnehmenden Kinderhilfswerk SOS Kinderdorf Österreich nur dürftige Anwendung.