Berufliche Einbußen

: Fr., 04.11.2011 - 14:03 By: reichmann

Einige der schwerwiegendsten Konsequenzen aber konzentrieren sich auf den Arbeitsplatz. Natürlich reagiert jeder anders, aber immer wieder zu hören sind folgende Charakteristika:

  • Desillusionierung, Gefühl von Widerwillen, Ärger, Versagen, ggf. Entmutigung;
  • Gleichgültigkeit;
  • Schuldgefühle;
  • negative Einstellung mit wachsendem Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen;
  • ständiges Auf-die-Uhr-Sehen im Dienst;
  • Fluchtphantasien und Tagträume;
  • Überziehen von Arbeitspausen, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss und wachsende Fehlzeiten;
  • Verlust von positiven Gefühlen gegenüber Patienten, Klienten, Schülern, Kunden usw.;
  • deshalb vermehrte Verschiebung von entsprechenden Kontakten;
  • innerer Widerstand gegen Anrufe und Besuchstermine;
  • heimlich einschleichender Dienst nach Vorschrift;
  • Stereotypisierung von Klienten, Patienten u. a. ("ist doch immer das gleiche ...");
  • Unfähigkeit, sich auf die anderen zu konzentrieren, ihnen geduldig zuzuhören;
  • dafür vermehrt tadelnde, negative, reizbare oder gar aggressive Einstellung den anderen gegenüber;
  • Vermeidung von Diskussionen mit Mitarbeitern und Vorgesetzten;
  • immer öfter mit sich selber beschäftigt;
  • zunehmend unbewegliche, ja starre Denkkategorien;
  • misstrauischer Widerstand gegen jegliche Veränderungen im Betrieb, manchmal fast wahnhaft anmutende Reaktionen;
  • damit wachsende Rückzugsneigung und Isolationsgefahr u. a.

Nach außen äußert sich diese verhängnisvolle "Abwehrstrategie" gegenüber
der inzwischen ungeliebten Berufsaufgabe oft darin, dass der Kontakt zu Patienten, Kunden, Schülern usw. immer mehr vom menschlichen Aspekt weggerückt und zum "Fall" degradiert wird, zum "Vorgang", zur "Bearbeitungs-Nummer" usw. Das Subjekt sinkt zum Objekt herab. Damit erlischt die innere Beziehung. Die ursprünglich positiven Gefühle werden ins Negative verkehrt. Es kommt zu einer ungewohnten seelischen Verhärtung und schließlich sogar Verflachung des Gemütslebens (bei aber unveränderter oder wachsender Kränkbarkeit für eigene Belange).

Und schließlich der für jeden erkennbare Endzustand: Ironie, Sarkasmus und Zynismus.