Gespeichert von LittleBuddha am So., 20.01.2008 - 13:03:09

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Problemkinder sind wieder in aller Munde. Dank pfiffiger Wahlpropaganda, christ-demokratischen Denkens und Staaten übergreifender Solidarität, denkt die Politik über sibirische Straflager für Kinder und geschlossene Unterbringung auch in Österreich offen nach. Das Plumsklo bei Minus 50 Grad Celsius ist hiermit in den Medien salonfähig gemacht worden.

Würden Sie Ihre Kinder einsperren, wäre wohl der Staatsanwalt liebend gerne dazu bereit Sie dem Strafrichter vorführen zu lassen. Das schwere Delikt nennt sich nach § 99 StGB Freiheitsentziehung und wartet bekannter maßen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren auf.

Weshalb sollen wir unsere Kinder vor der Gesellschaft wegschließen. Etwa zur Machtprobe oder der liebäugelden Pädagogik zuliebe? Oder vielleicht deshalb, weil wir unser Fehlverhalten verschleiern wollen?

Zu Jasmin sagt der Familienrichter: "Ich gebe dir jetzt nochmals drei Monate Zeit, solltest du dich nicht ändern, werde ich dich ins geschlossene Mädchen Erziehungsheim schicken".

Wie soll eine 14 jährige den Ernst der Lage erkennen, wenn sie sich zuvor auf der Straße herumtreibt, Drogen nimmt, kriminell wird und so aus der Gesellschaft entwurzelt. Einen Sozialpädagogen bekommt Jasmin nicht zur Seite gestellt. Lediglich gestützt von ihrer Mutter soll sie die Drohung richtig interpretieren. Stattdessen treibt sich das Mädchen auch weiterhin nächtens auf der Straße herum, bis der Richter ernst macht und die Heimeinweisung beschließt.

Müssen wir unseren Kindern drohen, um anschließend als bessere Menschen dazustehen? Das deutsche Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung sieht das anders. Mir gefällt die Idee, insbesondere die Tatsache, dass wieder einmal aufgezeigt wird, wie wenig mit den Kindern der heutigen Zeit gesprochen und tatsächlich gemeinsam und zum Positiven gearbeitet wird.

Ob es pädagogisch sinnvoll erscheint mit Macht, Erniedrigung und Verbotskatalgen gegen abgleisende Kinder vorzugehen, sei somit deutlich in Frage gestellt. Besonders erdrückend, viele dieser entgleisten Kids haben schon mit 6 Jahren ihre Heimkarriere begonnen. Das Jugendamt und somit der Staat ist seiner Verantwortung also nicht nachgekommen. Um so bedauerlicher, wenn der Staat seine Reaktionen in die Vertuschung durch Straflager für Kinder oder geschlossenen Erziehungsheimen investiert.

Wer starke Kinder will, braucht auch starke Eltern. Vielleicht sollte die Politik auch einmal diesen pädagogischen Grundsatz in Augenschein nehmen.

Es grüßt,

der.pädagogik.visionär

Gespeichert von Urmel am Do., 08.09.2016 - 02:25:46

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Ja Herr Pädagogik Visionär! Wie recht Sie haben. Auch mein Sohn war im Heim - zu Unrecht wie sich später herausgestellt hat. Die Kinder werden nur traumatisiert. Wie schlimm muss es dann für junge Menschen sein, wenn sie im Heim auch noch eingesperrt sind. Ist unsere Gesellschaft so kinderfeindlich, dass die Kinder ewig darunter leiden müssen? Nochmals mein ergiebigster Dank an INHR für die tolle Hilfe!!!!