Gespeichert von LittleBuddha am Mo., 16.06.2008 - 11:43:25
  Achtung! Das Nachrichtenmagazin XlargE berichtet seit nunmehr zwei Jahren über die illegale Deportation von österreichischen Kindern ins Ausland.

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Die Familiendienste im Land stoßen laut Kinder- und Jugendanwalt
Michael Rauch an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. So gibt es für 30
Kinder keinen Platz in Vorarlberger Kinderdörfern. Sie müssen in
Betreuungseinrichtungen nach Deutschland.

Ein Kind pro Woche muss von Familie weg

Es gebe eine zunehmende Anzahl von Familien, die mit der Lebenssituation nicht mehr zurecht komme und Unterstützung benötige, sagt Rauch. In Vorarlberg müsse im Durchschnitt pro Woche ein Kind zum eigenen Schutz von der Jugendwohlfahrt aus der Familie herausgenommen werden.

Die Einrichtungen, in denen Kinder langfristig wohnen, wie etwa die Kinderdörfer, sind inzwischen überlastet: Mittlerweile können rund 30 Vorarlberger Kinder nicht mehr in Vorarlberg untergebracht werden. Sie müssen in Einrichtungen im süddeutschen Raum untergebracht werden.

                

Andere Kultur und anderes Bildungssystem

Diese Einrichtungen seien an sich gut und könnten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen sinnvoll sein. Für mindestens 20 der in Deutschland untergebrachten Kinder sei das langfristig aber keine gute Lösung, so Rauch. Man könne natürlich argumentieren, dass dort die gleiche Sprache gesprochen werde, aber es sei eine andere Kultur und ein anderes Schul- und Bildungssystem.

Es stelle sich die Frage, wo diese Kinder dann hinsollen, wenn sie volljährig seien, ob sie in Deutschland bleiben sollen, nur weil man in Vorarlberg keinen Platz für sie gehabt habe, als sie klein waren.

               

Rauch wirft Politik Säumigkeit vor

Rauch wirft der Politik Säumigkeit vor, immerhin sei die Entwicklung schon seit Jahren bekannt. Er sagt, es bestehe vielleicht zu wenig Bereitschaft, sich in die Lage eines Kindes hineinzuversetzen. Wenn man jedoch beginnen müsste, Senioren in Deutschland unterzubringen, weil in den hiesigen Alten- und Pflegeheimen zu wenig Platz wäre, wolle er sich gar nicht vorstellen, wie das in der Öffentlichkeit und in der Erwachsenenwelt diskutiert würde.

Er hätte sich eine frühere Reaktion gewünscht, so Rauch.

                

"750.000 Euro vom Land nötig"

Die Zahl der Familien, die bei der Erziehung ihrer Kinder Unterstützung brauchen, steige insgesamt massiv, so Rauch.

Auch die ambulanten Familiendienste, also jene Einrichtungen, die Hochrisikofamilien im Auftrag der Jugendwohlfahrt betreuen, arbeiteten wegen dieser stark gestiegenen Nachfrage an der Grenze ihrer Kapazitäten, sagt Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch.

Was es brauche, sei zusätzliches Geld für mindestens acht ambulante Dienstposten bei den ambulanten Familiendiensten. Dem Land müsste das 750.000 Euro zusätzlich wert sein.

Gögele: "Strategien bereits erarbeitet"

ÖVP-Klubobmann Rainer Gögele erwidert auf die Kritik, die Entwicklung des Bedarfs an stationären Plätzen in der Jugendwohlfahrt habe die Landesregierung durchaus erkannt. Man habe auch bereits Strategien erarbeitet. Diese seien auch dem Kinder- und Jugendanwalt bekannt.

Derzeit seien, so Gögele, 23 Kinder außerhalb von Vorarlberg untergebracht. Natürlich sei es das Ziel, möglichst alle Kinder und Jugendlichen in Vorarlberg stationär unterzubringen. Mit den Jugendwohlfahrtseinrichtungen sei auch bereits ein Modell für zusätzliche stationäre Plätze im Rahmen von familiären Unterbringungen entwickelt worden. Dieses solle nun gemeinsam mit dem Vorarlberger Kinderdorf umgesetzt werden. In diese Planungen sei auch der Kinder- und Jugendanwalt eingebunden.

Kindergarten für Dreijährige heißt Rauch gut

Anerkennung gab es von Rauch dafür, dass das Land die Jugendwohlfahrtsabteilungen der Bezirkshauptmannschaften um jeweils eine Person erweitert hat. Auf diese Notwendigkeit habe er vor drei Jahren hingewiesen, sagte Rauch.

Die vom Landtag beschlossene generelle Öffnung der Kindergärten für Dreijährige hieß Rauch gut. Das Credo der Vorarlberger Landesregierung, wonach in Sachen Kinderbetreeung einzig und allein die Eltern den Bedarf definieren, ließ er aber nicht gelten. "Es ist Aufgabe der Politik, den Bedarf aus der Perspektive der Kinder zu definieren", sagte Rauch.

Quelle: ORF Vorarlberg

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