Gespeichert von reichmann am Mi., 09.07.2008 - 18:27:37

Skandale von „Jung bis Alt“. Nicht nur in der Kärntner Jugendarbeit gibt es Missstände, sondern auch im Bereich der Altenpflege versagt die Kärntner Sozialabteilung, unter der Leitung von Frau Dr. Berger Malle (Referat Gabi Schaunig), offensichtlich. Wie aus einem Bericht des „Standard“ hervorgeht, ignorierte die Kärntner Sozialabteilung immer wieder Kontrollberichte über private Pflegestellen, wodurch sogar der Tod einiger betagter Menschen zu beklagen ist.

Klagenfurt - Der Kärntner Pflegeskandal, im Zuge dessen zwei betagte Frauen an Pflegemängeln - sie waren zum Teil bis auf den Knochen wundgelegen - gestorben sind, führt jetzt auch zu einem politischen Schlagabtausch.

Vor allem das BZÖ wirft Sozialreferentin Gaby Schaunig (SPÖ) Versagen in ihrem Ressort vor. Denn im Gegensatz zur illegalen privaten Familienheimstelle in Pustritz sei jene in Griffen vor einem Jahr nicht behördlich geschlossen worden. Es habe damals auch keine Anzeige gegeben, obwohl der Sterbebericht - wie der Standard berichtete - eindeutig Fieberschübe und Wundliegen als Todesursache ausweise.

Sozialreferentin Schaunig verweist auf die knappe Personalsituation in ihrer Abteilung, für die Personalreferent Jörg Haider die Verantwortung trage. Von einem zweiten Todesfall in Griffen infolge mangelnder Pflege wisse sie nichts, es habe keine Anzeige gegeben, es werde hier nur "politisches Kleingeld gewechselt". Zu hinterfragen wäre die Rolle des Heimarztes, sagte Schaunig.

Auch die seit zwei Monaten pensionierte Leiterin der Heimaufsicht in der Kärntner Landesregierung, Sonja Holzhacker, will vor dem Kärntner Pflegeuntersuchungs-ausschuss von keinem weiteren Todesfall wissen. Wundliegen könne in der Sterbephase häufig auftreten, sonst sei das "absolut vermeidbar".

Fehlende Bescheide

Holzhacker zeigte aber auch Fehler in der Sozialabteilung auf. So seien etwa nach Kontrollen und Berichten über Missstände in Familienheimstellen oft keine Auflagenbescheide erlassen worden. Die Heimleitungen hätten nicht einmal die Kontrollberichte selbst erhalten: "Die machen dann weiter wie bisher. Das war mir nicht recht. Wenn man zweimal kontrolliert, Missstände feststellt und nichts passiert, führt das zu Frust und Resignation."

Familienheimstellen sollte es laut Schaunig eigentlich seit der Novelle zum Kärntner Pflegegesetz 2005 gar nicht mehr geben. Damals setzte sich aber das BZÖ massiv für den Verbleib der privaten Familienpflege ein und brachte sogar im Landtag eine Petition zur Förderung des privaten Vereins "Alt werden dürfen" (AWD) ein, dem sich auch die Familienheimstelle in Pustritz angeschlossen hatte.

(Elisabeth Steiner/DER STANDARD Printausgabe, 27. Juni 2008)