JUGENDAMT SKANDAL: Mutter wurde Kind zu Unrecht entzogen

: Mi., 11.06.2008 - 22:10 By: LittleBuddha

Einer alleinerziehenden Feldkircherin ist ihr Kind zu Unrecht acht Monate lang entzogen worden. Auslöser für die behördlich angeordnete Kindeswegnahme waren vermeintliche Brandblasen beim Buben, es handelte sich aber um eine Allergie.

Nachbarin verständigte Jugendwohlfahrt

Im August 2004 soll der damals Dreieinhalbjährige, der in sozial schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, zur Nachbarin gesagt haben, dass ihn seine Mutter verbrannt habe.

Die Nachbarin verständigte die Jugendwohlfahrt, diese brachte den Buben ins Krankenhaus. Die Mutter konnte ab diesem Zeitpunkt ihren Sohn acht Monate lang nicht sehen.                

Gutachter bestätigte Allergie

Auslöser für die behördlich angeordnete Kindeswegnahme waren vermeintliche Brandblasen an den Armen und Füßen des Kindes.

Im Krankenhaus wurden die Verletzungen als absichtlich zugefügte Brandwunden diagnostiziert. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Blasen von einer Mücken-Allergie stammten. Das bestätigte ein Gutachter zweifelsfrei.

"Es hätte einen Gerichtsmediziner gebraucht"

Nach Ansicht des Vorarlberger Patientenanwaltes Alexander Wolf hätte die Fehldiagnose im Krankenhaus Feldkirch verhindert werden können. Bei einer solch schweren Anschuldigung gegenüber einer alleinerziehenden Mutter hätte man einen Gerichtsmediziner hinzuziehen müssen, bevor die Behörde der Mutter das Kind dauerhaft wegnimmt, sagt Wolf gegenüber dem ORF-Vorarlberg. Der Gerichtsmediziner hätte vor Ort die Wunden begutachten können. Dann wäre man früher draufgekommen, dass es denkunmöglich Verbrennungen sein können, so Wolf.

Ein weiterer Vorwurf ist, dass man keinen Haut-Facharzt hinzugezogen hat. Zudem hätte man nicht mit der Mutter geredet. Sie hätte gewusst, dass ihr Sohn eine starke Mücken-Allergie hat.

"Es hat keine Fehler gegeben"

Im Krankenhaus wusste man, dass der alkoholkranke Vater des Kindes amtsbekannt war. (Zum Zeitpunkt der Kindeswegnahme lebte er getrennt von Mutter und Kind.) Unter diesen Umständen sei die Diagnose nachvollziehbar, sagt Gerald Fleisch, Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft, gegenüber dem ORF Vorarlberg. Es habe in diesem Fall keine Fehler gegeben. Mit dem Hinweis der Bezirkshauptmannschaft auf den Hintergrund mit dem Verdacht sei es klar gewesen, dass die Ärzte zu diesem Zeitpunkt das Kind in Schutz genommen hätten, so Fleisch.

Er stehe voll und ganz hinter der Ärzteschaft, die auch in diesem Fall das Kindeswohl in den Vordergrund gestellt habe, so Fleisch.

Auf die Frage ob sich das Krankenhaus bei der Frau entschuldigen werde, antwortete Fleisch wörtlich: "Ich würde sehr gerne mit der Dame sprechen und die Situation erklären."

Bisher noch keine finanzielle Entschädigung

Vor Gericht konnte die Mutter die Rückgabe des Kindes erzwingen. Acht Monate lang konnte sie ihren Sohn nicht sehen.

Die Anwaltskosten betrugen rund 10.000 Euro. Sie hofft nun, dass sich Anwälte und Krankenhaus bald auf eine finanzielle Entschädigung einigen. Sie hat bis jetzt noch kein Schmerzensgeld erhalten.

Quelle: ORF Vorarlberg

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