Max Friedrich: Zahlreiche Strafanzeigen schleppende Abwicklung

Max FriedrichDer Schlager des Jahres 2008 war wohl die Thematisierung der unglaublichen Zustände des Gutachterwesens in Österreich. Allen voran machte der Gutachter Prof. Dr. Max Friedrich ein sehr schlechtes Bild, zumal zahlreiche Verfahren wegen gravierender fachlicher Mängel seiner Gutachten, neu aufgerollt werden mussten. Durch die fachlich fehlgegangenen Gutachten Max Friedrichs mussten zahlreiche Geschädigte teilweise jahrelange Haftstrafen absitzen und haben natürlich Strafanzeigen erstattet.

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Keine Gutachten mehr

Still ist es geworden um den Stargutachter Prof. Dr. Max Friedrich, der bei Gerichten schon beinahe als gottähnliches Wesen gehandelt und dementsprechend hofiert wurde. Da sind noch einige Verfahren am Landesgericht Klagenfurt in Erinnerung, bei denen der Gutachter aufgetreten ist. Da ist es zu unbeschreiblichen Szenen gekommen, Richter, Staatsanwälte, Mag Mandl vom AVS Kärnten, und auch die Sachverständige Dr. Isabella Sank vom AVS Kärnten, hofierten den „berühmten“ Professor, was schon Erinnerungen an die Umgangsformen am Kaiserhof aufkommen lassen konnten.

Der Stargutachter und seine fachliche Qualifikation

Am Landesgericht Klagenfurt entrierte Staatsanwalt Dr. Simmerstatter den honorigen Professor bei einer Mutter eines „missbrauchten“ Kindes mit den Worten: „Wissen Sie überhaupt wer Prof. Friedrich ist? So einen Gutachter können Sie sich gar nicht leisten“. Posthum bleibt natürlich die Frage, ob man sich einen solchen „Stargutachter“ überhaupt leisten sollte. Die Medienberichte und auch die Fachmeinung der Spezialisten aus Deutschland sprechen da schon eine klare Sprache. In dasselbe Horn bläst auch der Gutachter Dr. Haller, ein profunder Fachmann aus Österreich, der Friedrich in einem Fall ebenfalls klar widerspricht und einem vermeintlichen Missbrauchsopfer schwerste psychische Störungen und vor allem Aussagunfähigkeit attestiert, während das Gutachten von Prof. Dr. Max Friedrich das genaue Gegenteil behauptet.

Verfahren werden nicht zusammengelegt

INHR liegen zahlreiche Strafanzeigen gegen den Gutachter Prof. Dr. Max Friedrich mittlerweile vor und vor allem auch die dazugehörigen Aktenzahlen. Eine Kuriosität ist jedenfalls die Abwicklung der Causa Friedrich seitens der Staatsanwaltschaften. Die Strafprozessordnung sieht nämlich vor, dass wenn gegen eine Person mehrere Anzeigen bestehen, diese zu einem Verfahren zusammengelegt werden müssen. Aus der StPO: § 26. (1) Das Ermittlungsverfahren ist von derselben Staatsanwaltschaft gemeinsam zu führen, wenn ein Beschuldigter der Begehung mehrerer strafbarer Handlungen verdächtig ist oder mehrere Personen an derselben strafbaren Handlung beteiligt sind (§ 12 StGB). Gleiches gilt, wenn mehrere Personen der Begehung strafbarer Handlungen verdächtig sind, die sonst in einem engen sachlichen Zusammenhang stehen. Im Falle Prof. Dr. Friedrich geht man hier aus unerfindlichen Gründen andere Wege. So gibt es allein in Wien zahlreiche Strafanzeigen, wovon INHR unter anderem die Anzeigen 19 St 114/08g (liegt bei Dr. Judith Hester, Zimmer 1078, Kanzlei Zimmer 1086), 10 St 346/08h (Aktendeckel Dr. Werner Pleischl, Akt jedoch abgegeben an StA Mag. Schmudermayer, Zimmer 3080, derzeit krank und geht anschließend in Karenz, vertreten durch Mag. Thomas Weger), 27 St 362/08m (StA Mag. Christian Walzl, Zimmer 4079, Kanzlei Zimmer 4060), 208 St 501/08k (liegt bei StA Mag. Kain, Zimmer 4090, Kanzlei Zimmer 4083), vorliegen. Jedes Verfahren wurde einem anderen Staatsanwalt zugeordnet, wodurch natürlich die gesamte Tragweite nicht leicht erkennbar ist. Weiters liegt am Landesgericht Klagenfurt ebenfalls seit über einem Jahr eine Anzeige, die von Staatsanwalt Dr. Simmerstatter bearbeitet wird. In einem Missbrauchsverfahren, dass heuer im Sommer wegen gravierender fachlicher Mängel des Gutachters Prof. Dr. Max Friedrich neu aufgerollt werden musste und mit einem Freispruch des Angeklagten endete, müsste eigentlich von der Staatsanwaltschaft amtswegig untersucht werden, weil es sich hier ebenfalls um zumindest grobe Fahrlässigkeit des Gutachters handelt. Dieses Gutachten ist laut Fachmeinung von insgesamt fünf Experten vollkommen fehl gegangen. Nicht einmal die gültigen Standards für solche Gutachten wurden eingehalten, so die Meinung der Fachleute.

Keine Rezertifizierung

Die Zeit als Gutachter ist für Prof. Dr. Max Friedrich mit heutigem Tag jedenfalls abgelaufen, weil ein Antrag auf Rezertifizierung nicht gestellt wurde und somit eine weitere Gutachtertätigkeit nicht mehr in Frage kommt. Im neuen Jahr könnte der umstrittene Ex-Gutachter jedoch wieder vermehrt bei Gericht anzutreffen sein, wenn auch nicht mehr als der profunde Fachmann, für den er bislang gehalten wurde, sondern auf der Anklagebank.