Gespeichert von LittleBuddha am Do., 17.01.2008 - 15:23:42

Schwere Vorwürfe gegen Sozialein-richtungen der oberösterreichischen Caritas wurden 2004  in einem "Schreiben" erhoben, das an die Medien und an öffentliche Stellen im Bundesland Oberösterreich erging. Es sollen Kinder geschlagen und sexuell misshandelt worden sein. Später nahm der Verfasser die Vorwürfe von Sexuellen Missbrauch vor der Presse zurück. Nach wie vor steht allerdings die katholische Kirche, Begründer der Caritas, unter heftiger Kritik. Alleine in Los Angeles muss die Katholische Kirche Milliarden US-Dollar an Opfer sexuellen Missbrauchs bezahlen. Hierfür musste nun sogar eine Immobilie verkauft werden.

Soziallandesrat Josef Ackerl (SPÖ) erklärte dazu auf Anfrage der APA, er werde die Vorwürfe durch die Sozialabteilung des Amtes der Landesregierung prüfen lassen, ausserdem habe er die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Was den Verfasser des Schreibens anlangt, so verwies Ackerl darauf, dass es sich um einen kürzlich von der Caritas entlassenen Mitarbeiter handle.



Sieben Vornamen



Das Schreiben trägt als "Unterschriften" sieben Vornamen von angeblichen Opfern der Misshandlungen, die sich in den vergangenen Jahren im Caritas-Kinderdorf St. Isidor und in einem Heim der Caritas im Bezirk Eferding ereignet haben sollen. Auf dem Schreiben ist auch eine Handy-Nummer angeführt. Auf Anruf der APA meldete sich der ehemalige Caritas-Mitarbeiter und Verfasser des Schreibens. Er wolle aber am Telefon nicht mehr sagen als in dem Brief stehe, die Vorfälle würden jedenfalls zum Teil 20 Jahre zurückliegen, zum Teil aber auch erst wenige Monate. Er habe selbst einen Fall miterlebt, für weitere Vorkommnisse gebe es "Zeugen", sagte der Mann.



Ex-Mitarbeiter



In dem Schreiben wird auch berichtet: "Nachweislich ist nun ein Mädchen aus St. Isidor an einer Überdosis verstorben, weil sie mit diesen Belastungen nicht mehr klar kam". Dies sei im Februar 2003 gewesen, behauptete der "Aufdecker" und Ex-Mitarbeiter der Caritas gegenüber der APA. Man hoffe, dass sich auf Grund der jetzigen "Veröffentlichung" noch weitere "Opfer" melden, hiess es am Schluss des Schreibens. Grundsätzlich sagte Landesrat Ackerl zu den Vorwürfen, es habe in der Vergangenheit von anderer Seite keine Beschwerden oder Anschuldigungen gegen Sozialeinrichtungen der Caritas gegeben.



Interne Überprüfung



Caritas-Direktor Matthias Mühlberger kündigte am Montagnachmittag eine interne Überprüfung der in dem Schreiben geäusserten Vorwürfe an. Er gehe aber grundsätzlich davon aus, dass die Mitarbeiter in den Sozialeinrichtungen eine gute und korrekte Arbeit leisten, betonte Mühlberger. Sollten sich trotzdem im Rahmen der internen Untersuchung konkrete Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten ergeben, "werden umgehend die entsprechenden Konsequenzen gezogen", so Mühlberger, "und der Fall wird einer gerichtlichen Überprüfung zugeführt". Einige in dem Schreiben erhobene Vorwürfe "können jedoch sofort entkräftet werden", so der Caritas-Direktor, "es kann keine Rede davon sein, dass Jugendliche in einer Betreuungseinrichtung der Caritas zur Prostitution gezwungen werden". Betreffend dieses Vorwurfs behalte sich die Caritas rechtliche Schritte gegen den Briefschreiber vor.



Vor kurzem überprüft



Was das in dem Schreiben ebenfalls kritisierte Sozialprojekt der Caritas im Bezirk Eferding betrifft, so werde dieses in enger Kooperation mit dem Land geführt und auch von der Sozialabteilung des Landes finanziert. Mühlberger: "In einer kürzlich stattgefundenen Überprüfung des Projektes durch die Sozialabteilung wurde die Rechtmässigkeit des Betreuungskonzeptes aktuell bestätigt". Die Caritas OÖ. bedauert, dass die im Flugblatt geäusserten Vorwürfe nicht zu einem früheren Zeitpunkt an die zuständige Geschäftsführung herangetragen wurden. Andernfalls wäre den Beschwerden selbstverständlich sofort nachgegangen worden. Die Vorwürfe St. Isidor betreffend sind nun Gegenstand einer internen Überprüfung. Sollten im Rahmen dieser Prüfung konkrete Anhaltspunkte festgestellt werden, werden umgehend die entsprechenden Konsequenzen gezogen und der Fall einer gerichtlichen Überprüfung zugeführt.



Schriftliche Stellungnahme der Caritas Oberösterreich



„Einige der im Flugblatt angeführten Vorwürfe können jedoch sofort entkräftet werden: Es kann nicht die Rede davon sein, dass Jugendliche in einer Betreuungseinrichtung der Caritas zur Prostitution gezwungen werden. Das angesprochene Betreuungsprojekt in Strassham (IBW – Intensiv betreutes Einzelwohnen) wird in enger Kooperation mit dem Land OÖ. durchgeführt und wird auch von der Sozialabteilung des Landes finanziert. In einer kürzlich stattgefundenen Überprüfung des Projektes durch die Sozialabteilung wurde die Rechtmässigkeit des Betreuungskonzeptes aktuell bestätigt. Grundsätzlich wird ein mögliches vermutetes oder festgestelltes Fehlverhalten von betreuten Personen mit den Betreuern laufend sozialpädagogisch aufgearbeitet und den Ursachen nachgegangen. Betreffend den Vorwurf, dass ein Jugendlicher zur Prostitution gezwungen worden sei, behält sich die Caritas OÖ. rechtliche Schritte gegen den anonymen Briefschreiber vor.“





Quelle: ORF