Gespeichert von LittleBuddha am Mi., 03.10.2007 - 16:16:48

JugendgefängnisWie Kinder auf die schiefe Bahn geraten: Schulpsychologe Gert Lach am Beispiel vom 15-jährigen Rene. Laufende Heimwechsel, Bindungsängste und ein verlorenes Kind. Gegenüber der Kleinen Zeitung muss der Schulpsychologe dem Verteidigter von Rene Recht geben "Bankrotterklärung des Erziehungssystems? Er liegt mit seinem Urteil wohl nicht weit daneben!".

Gerade erst 15 Jahre alt und schon als Serientäter zu neun Monaten Haft verurteilt - der Fall Rene schockiert. Auch den Klagenfurter Schulpsychologen Gert Lach: "Das ist brutal." Nachdenklich fügt er hinzu: "Ein verlorenes Kind."



Erziehungssystem. Ist die Entwicklung Renes eine Bankrotterklärung des Erziehungssystems, wie sein Verteidiger vor Gericht sagte? "Er liegt mit seinem Urteil wohl nicht so weit daneben", räumt Lach ein.



Schlechte Voraussetzungen. Bei Rene scheint früh vieles schief gegangen zu sein. Lach will als Psychologe nichts zum konkreten Fall sagen, sondern nur allgemein Stellung beziehen. Aber es dürfte klar sein: Das ist ein Paradebeispiel schlechter Voraussetzungen fürs Leben.



"Boden fehlt". Wenn Kinder auf die schiefe Bahn geraten, spielen meist mehrere Faktoren zusammen: Problematische Familiensituation: "Wenn es an Stabilität mangelt, fehlt der Boden, auf dem ein Kind zu wachsen beginnt", sagt Lach.



"Seele leer". Beziehungsabbrüche: Nicht nur Eltern geben Kindern Halt. "Wenn in einem jungen Leben immer wieder Bezugspersonen wegfallen, so haben Kinder nicht nur keinen Boden, sondern auch kein Geländer", sagt Lach. "Wo Urvertrauen fehlt, bleibt die Seele leer."



Orientierungslos. Wechselnde Erziehungsinstitution: "Das ist die Fortsetzung laufender Beziehungsabbrüche", betont der Psychologe.Vor Gericht trat es deutlich zu Tage. Rene wurde von einem Heim zum anderen geschickt, riss immer wieder aus. "Dann fehlt das Gefühl der Akzeptanz, des Geliebtwerdens. Ohne all das entwickeln sich Kinder orientierungslos."



Anerkennung. Keine Grenzen setzen: Karrieren wie jene Renes beginnen mit Lausbubenstreichen, dann kommen die ersten kleinen Straftaten. "Oft erhalten Jugendliche erst in der Clique die Anerkennung, die sie bis dahin vermissen mussten", erklärt Lach. Es sei ein markanter Fehler, wenn es am Anfang, bei den Lausbubenstreichen, keine Konsequenzen gibt, "wenn keine Grenzen gesetzt werden".



Eingreifen. Lach verweist auf Studien: "Je später man eingreift, desto geringer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit." Schon mit elf, zwölf Jahren wäre bei Rene wohl nicht mehr viel zu machen gewesen.



Weiteres Leben. Wie aber kann das weitere Leben des "verlorenen Kindes" ausschauen? "Man muss ihm eine Person wünschen, die ihn von tiefstem Herzen annimmt und die ihn nicht beim ersten Rückfall wieder aufgibt", sagt Lach. "Das wäre ein Mensch, von dem fast Übermenschliches verlangt wird."

Kleine Zeitung | INHR

Gespeichert von reichmann am Do., 08.09.2016 - 02:25:30

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Ich persönlich kenne Gert Lach auch aus anderen Fällen. Da frage ich mich schon sehr, woher der Sinneswandel kommt? Kenne ihn eigentlich als Gegner von \"erziehungsunfähigen\" Eltern. Scheint doch so, dass die Schergen der Jugendwohlfahrt auch mal auf ihre Erziehungsfähigkeit hin überprüft werden sollten.