Gespeichert von LittleBuddha am Sa., 24.03.2007 - 13:51:20

Pongauer-KinderNach Selbstmord der Mutter: Vier Geschwister im Heim, 156.000 Euro für Verpflegung und Psychotherapie! Die sieben Halbwaisen aus dem Pongau stehen nun unter Behördenkuratel. Wann der Vater sie besuchen darf, ob die Älteste den Mopedführerschein machen darf, entscheiden Betreuer und Fürsorge unter Oberaufsicht der SPÖ Politikerin Christine Gaschler-Andreasch! Das Jugendamt will für die enormen Kosten der Fremdunterbringung auch die kleinen Waisenpensionen und das Erbe der Kinder abschöpfen.

Amtsvormund: Wenn Kinder unter Kuratel des Staates stehen, haben sie bereits Schreckliches erlebt. Im Fall der sieben Halbwaisen aus dem Pongau war es der tragische Selbstmord ihrer Mutter, über den das SF berichtete (Ausgabe 3/07). Jetzt sind die Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren in Pflege und in einem Heim in Kärnten. Ihr Leben wird nun von Betreuern und Sozialarbeiterinnen der Jugendwohlfahrt geregelt. Vom Tagesablauf, über die Besuchskontakte des Vaters bis hin zum Wunsch, den Mopedführerschein zu machen – das Eingriffsrecht der Behörde reicht weit in die Privatsphäre hinein. Dies alles, so sind die Vertreter der Fürsorge überzeugt, diene nur „dem Wohle“ der Kinder.

Neunjähriger hat extrem zugenommen

Der Vater der Kinder, Martin G., sieht das naturgemäß anders. Die Verfahren seien endlos, zuständig sind mittlerweile die Jugendämter und die Bezirksgerichte St. Johann und Villach und teilweise auch schon die Landesbehörden. In diesem Behördengeflecht erlebe er sich als ohnmächtig, sagt der 45-Jährige. Auch den vier älteren Geschwistern im Antonius-Kinderheim in Treffen gehe es „nicht gut“. Dort gäbe es abgelaufene  Lebensmittel und zu wenig Freigang, der 14-jährige Sohn sei am Anfang von anderen Jugendlichen geschlagen  worden. Sein Neunjähriger, der Psychopharmaka nehmen müsse, habe extrem zugenommen. Und die älteste Tochter, die mit 16 gerade eine Schnupperlehre und den Hauptschulabschluss absolviert, dürfe den Mopedführerschein nicht machen – „obwohl ich für sie ein altes Moped besorgt habe“, wie Martin G. schildert. In intimen Momenten – wenn die Kinder ihm bei seinen Besuchen in die Arme fallen – sei immer eine Sozialarbeiterin als „Aufpasserin“ zugegen. Selbst seine Anrufe wurden auf Anordnung des Jugendamtes eine zeitlang mitgehört – der Vater und die Jugendbehörden werfen sich gegenseitig vor, die Kinder „aufzuhussen“. Martin G. sieht sehr klar, „dass die Kinder Defizite haben und Hilfe brauchen – die haben ein Schlachtfeld erlebt.“ Allerdings wäre für ihn die beste Lösung eine Familienhelferin. „Die ist mitsamt einer Therapie für die Kinder immer noch billiger als das Heim.“

Noch ein Gutachten

Ein Monat Verpflegung und Psychotherapie kosten im katholischen Heim 3260 Euro (Rechnung Dezember 2006). Macht für vier Kinder 156.480 Euro im Jahr. Jetzt wolle das Jugendamt dafür sogar die kleinen Waisenpensionen der Kinder und ihre Erbe abschöpfen: Sie würden 260 bis 270 Euro im Monat von der Bauernpensionsversicherung nach der Mutter erhalten, so Klaudia Kalcher vom Verein Rechtsstaat Austria. Auch um das Erbe der Kinder wird gestritten – die Mutter hat ihre zwei Landwirtschaften in Leibrente einer Verwandten vermacht. Kalcher: „Wir fechten das Testament an.“

Keine Missstände

Als Nächstes werden die Kinder, die bereits Wochen auf der Psychiatrie in Villach waren, abermals psychologisch begutachtet. Familienrichterin Sabine De-Cecco-Wilding aus Villach sagt, sie brauche ein aktuelles Gutachten als Entscheidungsgrundlage. Die vom Vater behaupteten Missstände im Heim werde sie dem Land Kärnten melden. Dort kann die für Jugendwohlfahrt zuständige Referatsleiterin Christine Gaschler-Andreasch die Vorwürfe nicht bestätigen: „Wir haben das Heim voriges Jahr vom Keller bis zum Dachboden unter die Lupe genommen, hygienisch gab es nichts zu beanstanden.“ Die Kinder seien auch viel im Freien. Dass in katholischen Einrichtungen gespart werde, sei „generell so“.

„Keine abgelaufenen Lebensmittel“

Heimleiter Robert Kowatsch spricht von „Anschuldigungen, die nicht in Ordnung sind“. Seit er da sei (Juli 2006), wisse er nichts von Missständen. „Wir kaufen keine abgelaufenen Lebensmittel, es gibt auch keine Raufereien bei uns. Wir tun alles, damit die Kinder strukturiert ins Leben gehen können. Deshalb bekommen sie ja eine Psychotherapie, damit sie die Traumen soweit abbauen können, dass sie ihr Leben selbstständig führen können.“ Eine „Fremdunterbringung“ ist für ein Kind dennoch ein dramatischer und extremer Einschnitt – wie schwer das Leben vorher auch gewesen sein mag. „Das ist immer eine gewalttätige Maßnahme, so wie die Eltern immer die Eltern bleiben“, sagt Barbara Leiblfinger-Prömer, Expertin der Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft und Mentorin des Vereins „Youth in Care“.

Salzburger Fenster/Sonja Weber