Gespeichert von LittleBuddha am Do., 15.02.2007 - 00:10:23





  Geht es um Kinder so sollte sich Österreich von den
Niederlanden und den Schweden wohl eine Scheibe
abschneiden. In einer aktuellen Studie der UNICEF be-
legt unser Land Platz 18 von 21 bewerteten Industriestaaten. Dabei platzieren sich die Niederlande auf Platz 1, gefolgt von Schweden und Dänemark. Der Studie liegen sechs Bewertungsfaktoren zugrunde: Materielle Lage, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, die Beziehung zu Eltern und Freunden, Risikoverhalten im Alltag und das subjektive Wohlbefinden von Kindern. Blickt man auf die jüngsten Ereignisse in Oberösterreich und der Steiermark, wo Kinder verwahrlosten und bedenke man den stetig steigenden Konsum von Nikotin und Alkohol bei Kinder und Jugendlichen, muss sich die Frage gestellt werden, wenn die Verantwortlichen zu Maßnahmen greifen.

Heute veröffentlicht das UNICEF Forschungszentrum die Report Card 7 über das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Industriestaaten. Es handelt sich um die erste umfassende Bewertung des Wohlbefindens von Kindern in der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) – Region. 

Anhand von 6 Dimensionen – materielle Lage,Gesundheit und Sicherheit, Bildung, die Beziehungen zu Eltern und Freunden, Risikoverhalten im Alltag und das subjektive Wohlbefinden vonKindern – wurde eine Bewertung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in den 21 OECD-Staaten vorgenommen.

„Alle Länder haben Schwächen, die angegangen werden müssen“, so die Direktorin vom UNICEF Forschungszentrum Marta Santos Pais, „und keine der sechs Dimensionen ist stellvertretend für das Wohlbefinden von Kindern insgesamt. Einige OECD-Länder weisen in den diversen Bereichen sehr unterschiedliche Ergebnisse auf.“


Zwischen pro Kopf-Einkommen und Wohlbefinden der Kinder besteht kein direkter Zusammenhang; die Tschechische Republik zum Beispiel besetzt in der Gesamtbewertung einen höheren Platz als andere wohlhabendere Länder. Es gibt auch kein Land, das in allen 6 Dimensionen das obere Drittel in der Gesamtbewertung besetzt.


„Der Report stellt im Grunde alle verfügbaren Daten untereinander in Vergleich. Ein Vergleich, der mit Vorsicht zu bewerten ist, weil Daten zu einigen Bereichen einige Jahre zurückliegen“, so Dr. Gudrun Berger, Geschäftsführerin UNICEF Österreich, „aktuelle Studien und Umfragen wären in den kritischen Bereichen sicher sinnvoll.“


Die kritischen Bereiche sind u.a. in der Dimension Gesundheit zu finden. Nach Angaben der Weltbank kommen in Österreich rund 7% der Babies mit zu geringem Geburtsgewicht auf die Welt (Stand: 2005) und sind nur rund 80% der Kinder im 2.Lebensjahr gegen Masern, Diphtherie und Polio geimpft (Stand: 2002). Weiters ist nach Angaben der WHO der Anteil an rauchenden Jugendlichen in Österreich im internationalen Vergleich relativ hoch – 13,2% der 11,13 und 15-Jährigen gaben an, zumindest einmal in der Woche zu rauchen (Stand: 2001). Auch der Anteil an Teenagergeburten ist im Vergleich zu den anderen OECD-Staaten eher hoch (Stand: 2005).

Weiters scheint die Bereitschaft zu Mobbing bei Österreichs Jugendlichen überdurchschnittlich ausgeprägt zu sein, denn 44% der befragten 11,13 und 15-Jährigen gaben an, in den letzten zwei Monaten von anderen  Jugendlichen gemobbt worden zu sein (Stand: 2001). Andererseits ist der Anteil der 11,13 und 15-Jährigen, die ihre Altersgenossen als „nett und hilfsbereit“ einstufen (Stand: 2001) und berichten, gerne in die Schule zu gehen (Stand: 2001), überdurchschnittlich hoch.


Durch den internationalen Vergleich wird deutlich, inwiefern die einzelnen Länder das in der Kinderrechtskonvention verankerte Versprechen, das Wohlbefinden der Kinder unter Ausschöpfung aller verfügbaren Mittel zu gewährleisten, verwirklichen. Marta Santos Pais: „Ein Land kann nicht von sich behaupten, das Beste für seine Kinder zu tun, wenn andere Staaten, die sich auf vergleichbarem wirtschaftlichen Niveau befinden, wesentlich bessere Ergebnisse erzielen.“

Die Report Card soll einen ersten Überblick überdas Wohlbefinden von Kindern in OECD-Ländern bieten und als Anlassdienen, das kindliche Wohlbefinden weiter zu verfolgen und zubeobachten. Der Bericht baut auf international vergleichbaren Daten aufund gibt somit keine Auskunft über Bereiche wie das emotionale Befindenvon Kindern oder Kindesmissbrauch – daher ist weitere Forschungnotwendig.


Quelle/Foto: www.unicef.at