Kindesentzug: Zwei ärztliche Fehldiagnosen

Wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung ist einer Feldkircherin ihr Sohn entzogen worden. Es dauerte acht Monate, bis feststand, dass es zwei ärztliche Fehldiagnosen gegeben hatte. Erst im Strafverfahren konnte dies bewiesen werden.

Keine Brandwunden, sondern Allergie

Der ORF Vorarlberg berichtete am Mittwoch von einer Vorarlbergerin, der ihr Sohn zu Unrecht entzogen worden war. Bei den vermeintlichen Brandwunden ihres damals dreieinhalbjährigen Kindes handelte es sich um eine Mücken-Allergie. Erst nach acht Monaten konnte der Bub zur Mutter zurück.

Zwei Gutachten nahmen Verbrennung an

Als das Kind von der Jugendfürsorge ins Krankenhaus Feldkirch gebracht wurde, wurden die Wunden an Händen und Füßen fälschlicherweise als Brandwunden diagnostiziert. Nach Forderungen der Mutter gab das Gericht ein zweites Gutachten in Auftrag, diesmal wurde es von einem Hautarzt gemacht.

Dieses Gutachten des Hautarztes habe den Anfangsverdacht bestätigt, dass von Verbrennungen die Rede ist und nicht von allergischen Reaktionen, so Gerichtspressesprecher Reinhard Flatz im ORF-Vorarlberg-Interview.

Gerichtsmedizinisches Gutachten schloss Verbrennung aus

Gegen die Mutter wurde ein Strafverfahren wegen Kindesmisshandlung eröffnet. Im Zuge des Strafverfahrens sei ein gerichtsmedizinisches Gutachten eingeholt worden, so Flatz. Dieses Gutachten habe ergeben, dass Verbrennungen ausgeschlossen sind und die Version der Mutter, die allergische Reaktionen behauptet hatte, möglich sind.

Zwei Fehldiagnosen und ein dadurch anberaumter Strafgerichtsprozess – aus diesen Gründen wurde der Frau ihr Sohn acht Monate lang unrechtmäßig entzogen.

"Eltern haben Möglichkeit der Beschwerde"

Eine Zeitspanne von acht Monaten sei nicht üblich, wenn es darum gehe, dass eine Familie Unterstützung braucht, sagte Leo Jäger von der Jugendwohlfahrt in "Vorarlberg heute" am Donnerstag.

Wenn Mitarbeiter des Jugendamtes feststellen, dass ein Kind in Gefahr ist, hätten sie vom Gesetz her die Verpflichtung, unmittelbar das Kind aus der Familie zu nehmen, so Jäger. Das sei eine vorläufige Maßnahme, die vom Gericht bestätigt werden müsse. Das Gericht müsse dann eine langfristige Maßnahme beschließen.

Eltern hätten dann Möglichkeiten zur Beschwerde, sagte Jäger. Das sei etwa die Landesregierung oder der Kinder- und Jugendanwalt.

Leo Jäger ist am Freitag, 13. Juni, ab 10.00 Uhr Gast im Chat von vorarlberg.ORF.at.
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Quelle: ORF Vorarlberg


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